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DER EINFLUSS DER MUTTER - KIND-BEZIEHUNG AUF UNSER LEBEN - Erfahrungen eines Aufstellungsleiters - von Leopold Zillinger


So wie wir über unsere Mütter denken, kommt diese Beurteilung postwendend zu uns zurück und wir setzen sie adäquat in unserem Leben um. Punkt.

Ich möchte heute auf brennende Fragen eingehen, die mir in meiner Tätigkeit als „Aufstellungsleiter“ vorrangig begegnen.

„Warum führen alle Anstrengungen in meinem Leben nicht zum gewünschten Erfolg? Sei es in Bezug auf Partnerschaft, beruflich, aber auch in der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit?“

Schon oft wurde ich darum gebeten, eine Zusammenfassung der Hintergründe aus meiner Sicht nieder zu schreiben und dabei von meinen Erfahrungen aus den Aufstellungen zu berichten. Dieser Bitte komme ich gerne nach.

Ich eröffne heute eine Serie von Artikeln, die sich mit diesen Hintergründen auseinandersetzen, um klare Sichtweisen zu zeigen, die zu einem besseren Verständnis der persönlichen Lebensumstände führen können.

Diesmal:

DER EINFLUSS DER MUTTER (Eltern) – KIND BEZIEHUNG AUF MEIN LEBEN:

Die Ursachen der grundlegenden Blockaden für ein erfülltes Leben, in welchem Bereich auch immer, finden sich in unserer Kindheit, in der Beziehung zu unseren Eltern und dabei vorrangig in der Beziehung zu unserer Mutter. Die Beziehung eines Kindes zu seiner Mutter ist die einzige Beziehung im Leben, die energetisch nie getrennt werden kann. Ganz egal ob man nach Australien flüchtet und jahrzehntelang keinen Kontakt pflegt, die Verbindung dieser Beziehung bleibt aufrecht und wirksam und beeinflusst das Leben des Kindes maßgeblich; wie erwachsen es auch schon sein mag. Diese Beziehung hält ein Leben lang und darüber hinaus. In diesem „Geheimnis“ verbergen sich viele Verhinderungsprogramme, die uns eben daran hindern, unser Leben eigenständig, also in eigener Verantwortung zu leben. Und gleichzeitig verbirgt sich darin auch das Wunder der Liebe, wobei wir hier über die bedingungslose Liebe reden. Also über die echte, die einzig wahre, mit der wir uns aus verständlichen Gründen so schwer tun.

Doch was an unserer Beziehung zur Mutter gestaltet unser Leben so beschwerlich?

Es ist diese untrennbare Energie! Sie fließt pausenlos zwischen Mutter und Kind hin und her und steht für unsere bewusste und unbewusste Sichtweise über diese Beziehung.

Im Klartext: So wie wir über unsere Mütter denken, kommt diese Beurteilung postwendend zu uns zurück und wir setzen sie adäquat in unserem Leben um. Punkt, aus!

Wenn also jemand überzeugt ist, seine Mutter sei zwar liebenswert, führe aber ein erfolgloses Leben, kommt exakt diese Einstellung zurück, und dieser jemand wird in seinem Leben nie wirklich erfolgreich sein. Zumindest nicht annähernd so erfolgreich wie er es auf Grund seines Potentiales sein könnte. Er lebt die überzeugte Erfolglosigkeit der Mutter.

Ich weiß, dass manche bei dieser Erklärung Schluckbeschwerden bekommen. Vor allem Töchter, die sich bewusst sehr darum bemühen „nicht so zu werden wie ihre Mutter!“ Dieses Bemühen ist hinlänglich bekannt und auch das damit verbundene Scheitern. Großteils. So wie wir über unsere Mutter urteilen, wie wir ihr Leben beurteilen, richtet sich unser Leben darauf aus. Diese Tatsache lässt sich weder schön reden noch mit einem Ritual wegrationalisieren. Es lässt sich nur versöhnen! Herrlich!

Es gibt also Hoffnung. Mehr noch. In der Versöhnung mit der Mutter liegt der Grundstein des Weltfriedens vergraben. Diese Versöhnung ist vielleicht nicht DER Stein der Weisen, aber ein Stein der Weisen ganz sicherlich. Große Worte. Aber wir wollen ja uns retten und nicht die Welt, obwohl dies letztlich das gleiche ist.

Das Zauberwort heißt also Versöhnung - und wir reden hier ganz bewusst von Versöhnung und nicht vom Verzeihen. Verzeihen, so meine mutige Einstellung, ist immer falsch! Warum? Weil dem Verzeihen eine Schuldzuweisung voraus geht. Es ist jedoch wichtig, genau aus diesem Schulddenken auszusteigen. Wer verzeiht, erhebt sich über die andere Person und macht sich besser. „Du warst so böse, aber ich bin so gut, ich verzeihe dir!“ Was bewirkt, dass man sein Gegenüber erst recht in der Schuld behält. Ich erinnere mich noch gut an meine Einwände, die ich damals hatte, als ich begann mich mit diesem Thema auseinander zu setzen. „Aber meine Mutter hat sich doch schuldig gemacht! Sie hat sich viel zu wenig um mich gekümmert. Ich war kein Wunschkind, sie hat mich weggegeben, sie war viel zu streng, zu schwach, hat meine Fähigkeiten nicht gefördert, meine Geschwister viel mehr geliebt …….!“ Jeder kann an dieser Stelle seine eigene Liste der Anschuldigungen erstellen. Aus der Sicht des verletzten Kindes sind diese Vorwürfe berechtigt. All diese Verletzungen haben tatsächlich statt gefunden und schmerzen immer noch. Selbst nach 20, 30, 40 Jahren. Unsere Mütter waren einfach nicht perfekt.

Doch!

Sie waren es und sind es immer noch. Trotz der Liste? Trotz der Liste. Sie waren und sind perfekt, im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Hier findet sich der Schlüssel zur Versöhnung. Machen wir uns doch bewusst, dass auch unsere Mütter einmal Kinder waren und ebenso in vielerlei Hinsicht verletzt wurden. Auch diese Verletzungen wirken immer noch. Das Verhalten ihrer Mutter hat sie ebenfalls entsprechend geprägt. Ihr Denken, ihr Fühlen, ihr Handeln, ihre Sicht der Welt. Dazu ein Beispiel zum besseren Verständnis.

Reisen wir in der Zeit zurück, als eine Mutter selbst noch ein kleines Mädchen und überzeugt war, dass ihre Eltern absolute „Götter“ sind. Jedes Kind betrachtet seine Eltern anfänglich als Götter. Und diese sind unfehlbar, auch weil das Kind noch keine Vergleichsmöglichkeiten hat. Was immer sie tun, was immer sie sagen ist wahr und richtig. Das kleine Mädchen ist mit großer Hingabe dankbar für alles, was da kommt, denn es möchte nichts anderes als geliebt werden. Ihr ganzes Streben dreht sich um die Liebe der Eltern. Es tut alles um diese Liebe zu bekommen.
Kinder verhalten sich dazu unglaublich loyal. Und im Babyalter liebt dieses kleine Mädchen die Eltern sowieso bedingungslos. Erst mit dem Erwachen des Bewusstseins fällt es aus der bedingungslosen Liebe hinaus, weil es mit den steigenden Erwartungshaltungen der Eltern konfrontiert wird und damit die Erfahrung macht, dass die Liebe der Eltern sehr wohl an Bedingungen geknüpft ist. Es lernt zu entsprechen um diese Liebe zu bekommen.

Und so bemüht es sich, manchmal bis zur Selbstverleugnung, diese Erwartungen zu erfüllen. Wie sie es, auf Grund dieser Prägung, auch als erwachsene Frau tun wird. Sie betrachtet die Eltern also als ihre unfehlbaren Götter. Doch was passiert dann, wenn diese Götter streiten? Wenn sie sich aus irgendeinem Anlass heraus dem Kind gegenüber aggressiv verhalten? Wenn sie einfach nicht aus dem Herzen heraus agieren, sondern wiederum aus ihren eigenen Verletzungen und Ängsten und Überforderungen? Wer hat Schuld? Oder besser, wer gibt sich dafür die Schuld? Immer das Kind. In unserem Fall dieses kleine Mädchen. Es ist tatsächlich so.

Erst mit dem Heranwachsen erkennen und akzeptieren Kinder die Fehlbarkeit ihrer Eltern, doch da bestehen und wirken die Prägungen bereits aus dem Unterbewusstsein heraus. Diese Prägungen, die unsere Persönlichkeit maßgeblich formen, entstehen bereits in den ersten 3 Lebensjahren, plus der Schwangerschaftszeit. Auch im Bauch der Mutter übernimmt das Kind jede Gefühlsregung.

Es weiß ganz genau, ob es willkommen ist oder nicht, ob die Mutter Trauer empfindet oder Glück, ob sie sich Sorgen macht, von Existenzängsten geplagt wird ….. bereits diese Zeit beeinflusst den Lebenswillen des Kindes maßgeblich. In unserem Fall erlebt das kleine Mädchen eine sehr ängstliche Mutter. Es darf weder übermütig herum springen, noch auf einen Baum klettern, es darf keine Spiele spielen, bei denen es sich verletzen könnte. Das Mädchen lernt also, die Welt da draußen ist gefährlich, bloß nicht viel bewegen. Und außerdem hat ein kleines Mädchen sowieso nur hübsch auszusehen und in der Schule fleißig zu sein.

Und dann plötzlich lassen sich die Eltern scheiden. Es ist seitens der Mutter eine Trennung mit sehr viel Verbitterung. Von nun an läuft für das Kind ein verzweifeltes Schulungsprogramm ab: „Männer sind schlecht, sie wollen immer nur das Eine, du kannst ihnen nicht vertrauen, sie verlassen dich ……….!“ Und nicht nur das. Das kleine Mädchen wird zum Ersatzpartner! Es übernimmt die Beschützerrolle und ist damit heillos überfordert. Es vergisst dabei ganz auf sich selbst und vertieft sich noch mehr in der Regel, den Erwartungen der Mutter zu entsprechen.
Es vergisst, dass es ein eigenes Leben zu leben hat. Es lebt großteils das Leben der Mutter!

Mit den Jahren wird dieses kleine Mädchen eine erwachsene Frau. Auch wenn in der Pubertät ein natürlicher Loslösungsprozess stattgefunden hat, ist sie mit ihren Verhaltens- und Denkmustern immer noch maßgeblich mit der Mutter verbunden. Auch ein erwachsener Mensch bleibt das Kind der Eltern und wird sich weiterhin so verhalten. Diese Prägungen seitens der Mutter, der Eltern, bilden den Rahmen ihrer Möglichkeiten mit dem Leben zurecht zu kommen und es zu gestalten. Dieser Rahmen der Möglichkeiten besteht aus: „Die Welt ist gefährlich,
eine Frau hat hübsch auszusehen und fleißig zu sein, Männer wollen nur das Eine, sie sind schlecht, sie verlassen dich, man kann ihnen nicht vertrauen, ich muss die Mutter beschützen!“
Und diesen eingeschränkten Möglichkeiten gemäß lebt sie nun ihr Leben.

Sie wird mit Sicherheit keine Abenteuerreisen unternehmen. Schwer vorstellbar. Sie wird viel Zeit damit verbringen sich um die Mutter zu kümmern und sie wird nicht dauerhaft in der Lage sein sich auf eine ernsthafte Beziehung einzulassen. Und auch die Mutter wird sich schwer tun einen neuen Partner zu finden, so lange die Tochter diesen Platz einnimmt.

Dann wird diese Tochter eines Tages selbst Mutter. Natürlich hat sich ihre Sichtweise bestätigt. Ihr Mann hat sie verlassen. Die Warnung Ihre Mutter ist eingetroffen. Jetzt hat sie selbst eine kleine Tochter. Und wie verhält sie sich? Sie gibt ihre Überzeugungen wiederum an ihr Kind weiter! Auch dieses Kind wird die Welt als gefährlich erleben, der Mutter den Partner ersetzen, sich um sie kümmern, das eigene Leben hinten an stellen ………

Angenommen du bist jetzt diese Tochter und inzwischen längst erwachsen. Du leidest darunter, weil du keine erfüllende Partnerschaft findest, obwohl du dich danach sehnst. In deinem Job würdest du am liebsten alles hinschmeißen und ausbrechen, doch dein Pflichtbewusstsein siegt und du ärgerst dich über dein konservatives Verhalten, weil es dich daran hindert, deine Beschränkungen loszulassen …… das Leben ist im Großen und Ganzen kein Vergnügen.

Und jetzt schaust du auf deine Mutter. Und du gibst ihr die Schuld für dein Sein. Du blickst auf deine Kindheit und auf die Vielfalt der Verletzungen, die passiert und immer noch nicht verheilt sind. Und du haderst mit deinem Leben. Du bekommst es einfach nicht in den Griff. Es schmerzt ………….

Aber ist deine Mutter jetzt schuldig?

Nein. Auf Grund der Prägungen, mit denen sie erzogen wurde, entsprach ihr Verhalten dem Rahmen ihrer Möglichkeiten, ihrem Weltbild. Und alles was sie tat, was sie dem Kind verbot und an guten Ratschlägen für das Leben suggerierte, tat sie aus ihrer Zuneigung heraus. Entsprechend ihren eigenen Erfahrungen. Sie hatte gelernt, der Liebe mit Angst vor Nähe zu begegnen.
Das Leben hat ihr diese Angst selbstverständlich bestätigt und daher hat sie diese Angst an dich weitergegeben. Aus Liebe zu dir. Sie hat den Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten voll ausgeschöpft und deshalb war sie erfolgreich! Unglaublich erfolgreich! Sie hat gemäß ihren Überzeugungen gehandelt, so wie du nach deinen Überzeugungen handelst.

Im Rahmen ihrer Möglichkeiten war und ist diese Mutter, deine Mutter, die beste Mutter der Welt! So wie du im Rahmen deiner Möglichkeiten die beste Mutter, der beste Vater,
das beste Kind der Welt bist. Weil alle Eltern im Rahmen ihrer Möglichkeiten die besten Eltern sind.

Wir können uns alle nur im Rahmen unserer Möglichkeiten bewegen. Allerdings, wenn ich mir dessen bewusst werde, kann ich mich anstrengen, meine Möglichkeiten zu erweitern. Indem ich die alten Muster und Verhinderungsprogramme erkenne, auflöse und durch neue, geeignetere ersetze.

VERSÖHNEN bedeutet also, zu erkennen, dass deine Mutter im Rahmen ihrer Möglichkeiten perfekt war und perfekt ist!

Und dann kommt noch etwas dazu: Wir haben eine gewisse Vorstellung, wie ein Leben zu sein hat, damit es ein tolles Leben ist. Wenn wir nun einem anderen Leben begegnen, das diesen Vorstellungen nicht entspricht, dann beurteilen, beziehungsweise verurteilen wir es. Aber jedes Urteil über ein anderes Leben ist nur eine Interpretation aus der eigenen Geschichte heraus. Mehr nicht. Wir beurteilen andere Leben um unser eigenes zu rechtfertigen. So beurteilen wir auch das Leben der Mutter.

Doch wenn jedes Leben Sinn macht und wenn dieses Wesen der Mutter mit einem ganz bestimmten Lebensplan in diese Welt gekommen ist, um zu lernen und entsprechende Erfahrungen zu machen, dann könnte es sein, dass die Lebensart deiner Mutter exakt ihrem Plan entspricht. Egal wie diese Lebensart auch sein mag. Du weißt es nicht. Aber du urteilst darüber! Eines ist sicher:

Sie hat sich für dein Leben als Mutter zur Verfügung gestellt. So wie sie ist.
Genau so wie sie ist. Und so wie sie ist entspricht sie genau deinem Lebensplan ……

Ich bin jedes Mal tief berührt, wenn ich in einer Aufstellung erlebe, wie ein Kind mit seiner Mutter, den Eltern in die Versöhnung geht. Wenn sie sich gegenseitig von jeder Schuld freisprechen und sich erlauben, das eigene Leben zu leben. Wenn sie sich ihre Liebe eingestehen. Wenn sie sich plötzlich als gleichwertige Wesen begegnen, auf einer Ebene! Wenn das erwachsene Kind die Abhängigkeiten hinter sich lässt und damit in seinem Bewusstsein einen neuen Horizont eröffnet, ein neues Wahrscheinlichkeitsfeld voller Möglichkeiten, das bisher blockiert blieb ……

Und ich sage jedes Mal: Danke!

Ich wünsche dir wunderbare, versöhnte Begegnungen mit deiner Mutter.

Leo Zillinger

leopold@schutzengelgmuh.com, www.schutzengelgmuh.com

 
 
   
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