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UNBEGRENZTES WACHSTUM BEDEUTET KRIEG - ökologische und interessante Gedanken zusammengefasst nach dem Vortrag von Manfred Max-Neef aus Chile, Alternativer Nobelpreisträger |
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Wir müssen verstehen, was unbegrenztes Wachstum bedeutet, und begreifen, daß andauerndes Wachstum weder möglich noch nachhaltig ist. Ohne Wachstum kein Fortschritt und keine Arbeitsplätze, so tönt es ständig lautstark aus Politikermündern. Exponentielles Wachstum kann man berechnen, seine Konsequenzen entziehen sich aber offensichtlich der Vorstellungskraft.
Beispiel: Kann man einen Papierbogen 40 mal falten? Falten wir ihn einmal, so liegt er doppelt. Beim zweiten Mal Falten liegt er vierfach, beim dritten Mal achtfach, beim vierten Mal 16fach usw. Beim 42. Mal Falten ist der Papierberg bereits 439.896 Kilometer dick, also bereits jenseits des Mondes.
Bei einem unbegrenzt anhaltenden Wachstum von 3 % verdoppelt sich das Bruttosozialprodukt alle 23 Jahre, bei 5 % sogar bereits alle 14 Jahre. Und eine Menge, die wächst, vertausendfacht sich jeweils nach der zehnfachen Verdoppelungszeit. Dauerhaftes exponentielles Wachstum einer Wirtschaft ist nicht möglich und führt zwangsläufig zur Selbstzerstörung. Als Problemlösungsansatz kann es langfristig und global nicht dienen. Durch die periodischen Kriege im Laufe der Menschheitsgeschichte wurde das bisherige Wachstum immer wieder unterbrochen. Es wäre anzustreben, die aktuellen Probleme ohne großen Krieg in den Griff zu bekommen.
Manfred Max-Neef meint dazu
"Unsere Wirtschaft wird von einem Dogma beherrscht: Wachstum, Freihandel und Globalisierung. Das ist die "heilige Trinität".
Alles wird mit Wachstum gelöst. Wir haben Arbeitslose, also brauchen wir mehr Wachstum; es gibt Armut, also brauchen wir mehr Wachstum; Ohne mehr Wachstum geht es nicht.
Und nie in der menschlichen Geschichte hat es global so viel Wachstum gegeben wie in den letzten drei Jahrzehnten. Und gleichzeitig ist in den selben drei Jahrzehnten global gesehen die Armut, Zerstörung der Natur, die Zerstörung sozialer Netze so gewachsen wie nie zuvor.
Stimmt es also wirklich, das Wachstum alle Probleme löst? Es ist nicht so. Eben eine mechanistische Herangehensweise mit einer linearen Logik, doch lebendige Systeme funktionieren nicht so."
Zusammenfassung eines Vortrags von Manfred Max-Neef zu diesem Thema:
Wissen allein führt niemals zum Verstehen. Verstehen und Wissen müssen zusammengeführt werden. Dazu bedarf es einer neuen "Sprache". Jede Epoche hat ihre je eigene Sprache, ihren eigenen zentralen Diskurs, der jedoch im Kontext stand zu den zentralen Herausforderungen der Zeit: im 19. Jahrhundert die Konsolidierung des Nationalstaates; zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Wirtschaftswissenschaft mit Keynes als Antwort auf die Weltwirtschaftskrise; in den 50er/60er Jahren Wachstum und Entwicklung zur Verbesserung der Lebensverhältnisse; seit den 70er Jahren bis heute: den neoliberalen Diskurs - der zum ersten Mal vollkommen entkoppelt ist von den zentralen Herausforderungen der Zeit. Ziel: die Anhäufung von Reichtum bei Wenigen auf Kosten fast aller anderen.
Um dies zu überwinden braucht es einen Paradigmenwechsel entlang folgender Grundsätze:
1. Die Ökonomie ist für den Menschen da 2. Entwicklung hat mit Menschen zu tun, nicht mit Dingen 3. Wachstum ist nicht gleich Entwicklung 4. Ökonomie ohne Dienstleistung der Ökosystem ist unmöglich 5. Ökonomie ist ein Subsystem eines größeren Systems
Derzeit läuft es in allen 5 Punkten genau umgekehrt.
Die Grundbedürfnisse des Menschen sind nicht das, was die Werbung definiert, sondern:
- Subsistenz (Bestand haben; Bestehen durch sich selbst und für sich selbst - Nachhaltigkeit)
- Schutz
- Liebe
- Partizipation (Teilhabe, Mitbestimmung, Einbeziehung)
- Verstehen
- Musse
- Kreativität
- Identität
- Freiheit
Defizite in auch nur einem dieser Felder generieren Pathologien, also Mangelerscheinungen, Krankheiten.
Der Glaube, dass nur immer fortschreitendes (Wirtschafts-)Wachstum Wohlstand und Wohlbefinden generieren, ist so falsch wie weit verbreitet. Ist der "Kipp-Punkt" erreicht, verbessert Wachstum weder Lebensqualität noch Wohlbefinden.
aus: http://www.initiative.cc/Artikel/2005_12_16_Kurz_notiert.htm aus: http://www.politikblogs.at/person/manfred%20max-neef und: http://rauch.twoday.net/stories/4501308/
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