Vor einigen Tagen ist mein kleiner Neffe - ein zweieinhalb jähriger Bub - nach einem Besuch bei mir wieder nach Hause gefahren.
Dieses Kind - stellvertretend für viele Kinder - ist ein Wunder. Er lacht. Er strahlt. Er ist charmant. Er weiß, was er will. Er schreit. Er tobt. Er lernt. Er verhandelt. Er ist fair. Er ist bedürftig. Er ist verletzlich. Er ist vorsichtig. Er ist klug. Er ist achtsam. Er ist wild. Er ist intensiv. Er ist würdevoll. Er ist absichtslos. Er ist aufrichtig. Er ist stolz. Er ist natürlich. Er ist autoritär. Er ist authentisch. Er ist einfach er - ganz einfach ER. Er kennt das ICH und DU noch nicht. Er ist einfach der, der er ist. Er kennt es gar nicht anders, als so zu sein, wie er ist. Er denkt darüber auch nicht nach. Er ist ganz einfach er.

So ein Kind zu erleben, ist ein Wunder. Ich wiederhole mich, ich weiß. Doch die Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit unserer Kinder ist einfach wunderbar. Nicht umsonst heißt es in den Schriften: "Werdet, wie die Kinder sind." Genauso würdevoll, authentisch, mitfühlend, kämpfend und liebend gleichzeitig, absichtslos und doch mit festem Willen - das sind unsere Kinder.
Liebe Eltern, liebe Mutter, lieber Vater: mach Dir das bewußt. Siehe Dein Kind als einen körperlich kleinen, doch geistig großen Gott. Ehre es. Achte es. Du bist die Mutter, der Vater. Du hast Deinem Kind etwas voraus und Dein Kind hat Dir etwas voraus. Dieses Etwas, das Du Deinem Kind voraus hast, ist Dein Wissen und Deine Erfahrung, wie auf dieser Erde zu leben. Du bist früher geboren, daher mehr geübt im Umgang mit dem Leben hier auf der Erde. Doch Du bist bewußtseinsmäßig jünger als dieses nach Dir geborene Kind. Es ist weiter entwickelt als Du. Einfach weil es nach Dir gekommen ist. Das hat es Dir voraus. Deshalb kannst Du etwas von diesem Kind lernen: von seiner Bewußtheit, seiner Würde, seiner Absichtslosigkeit, seiner Logik, seiner inhärenten Weisheit. Ihr seid gleichwertig. Du gibst ihm etwas und es gibt Dir etwas.
Meist sind wir nicht gewohnt, der Weisheit und Würde unserer Kinder

anzunehmen. Wir schenken dem zu wenig Aufmerksamkeit, weshalb sich die Kinder dann nicht wertgeschätzt, minderwertig und missachtet vorkommen. In der Folge lehnen sie sich gegen die Großen auf.
Doch dieses Kind - Ihr Kind oder Enkel - führt uns in die neue Zeit hinein, in die Zukunft. Ist es nicht spannend zu beobachten wie es sich verhält?! Welche Ideen es hat, sein Mitgefühl, seine Reaktionskraft, seine Intelligenz, seine körperliche Beweglichkeit wahrzunehmen? Ich bewundere diese körperlich kleinen, aber geistig so großen Wesen wirklich aufrichtig und kann mein Herz nur öffnen vor Staunen und Freude in ihrer Gegenwart.
Ich machte auch die Beobachtung, dass sich diese Kinder nicht erziehen lassen. Das brauchen sie nicht. Sie wollen lernen, wie die Dinge auf dieser Welt funktionieren und sich dann selbst ein Bild machen, es ausprobieren und eine Meinung bilden. Das ist alles. Doch sie wollen nicht „erzogen“ werden.
Sie sind so wißbegierig, dass wir Großen gar nicht nachkommen und bald überfordert sind. Doch wollen wir deswegen unsere Kinder einschränken? Oder sollten wir uns so verhalten, dass die Kinder sich gewürdigt fühlen in ihren Bedürfnissen und dann auch uns Große würdigen in unseren Bedürnissen? Wenn wir sie für voll nehmen, werden sie uns für voll nehmen. Wir sind das Vorbild, von dem sie gern lernen wollen und lernen.
Haben Sie eine großartige Zeit mit Ihren Kindern und Enkeln und Nichten und Neffen!
Ihre Rositta Virag