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VERKEHRSREGELN ADE - Verbannung aller Verkehrsschilder aus der Stadt!


Ähnlich wie der Gesetzesdschungel das normale Leben hemmt, ist auch auf der Straße die dschungelähnliche Beschilderung eher hinderlich als förderlich.

Ähnlich wie im Gesetzesdschungel, der das normale Leben und die politischen Prozesse hemmt, ist auch der Straßenverkehr durch seine eigene „Überbürokratisierung“ zum Straßenschild-Dschungel geworden. An jeder Ecke findet man Gebote, Maßregeln, Hinweisschilder, Stoppschilder und Ampeln, die den Verkehr regeln sollen.

Jetzt hat die Gemeinde Bohmte in Niedersachsen (bei Osnabrück), beschlossen, dem Einhalt zu gebieten, indem Verkehrsschilder und Ampeln verbannt werden. Denn in Bohmte ist es wie überall: Tausende Autos brettern täglich durch die Hauptverkehrsstraße des Ortes, jedes zehnte davon ein schwerer Lastwagen. Fußgänger zwängen sich über unwirtliche Gehwege, Anwohner stöhnen über Lärm und Gestank, und Eltern haben Angst um ihre Kinder, die die Hauptverkehrsstraße auf dem Weg zum Kindergarten oder zur Schule überqueren müssen.

Auf einer Teilstrecke der Straße soll damit nun bald Schluss sein. Denn dort werden bald alle Verkehrsschilder und Ampeln entfernt. Die Arbeiten für die Umrüstung beginnen im nächsten Sommer. Dann werden Bordsteine und Asphalt entfernt und alles wird einheitlich gepflastert. Sämtliche Verkehrsschilder und Ampeln verschwinden und es wird eine Mittelinsel auf der Straße eingerichtet. Ein Jahr später soll die Straße dann benutzt werden. Und ab dann sollen nur noch Blickkontakt und Handzeichen den Verkehr regeln. Dabei wird die Trennung der Fahrbereiche für Autos, Fahrräder und Fußgänger gänzlich aufgehoben sein.

Die scheinbare Anarchie ohne Verbote und Gebote soll nicht nur die Lebensqualität in dem 7500-Einwohner-Ort verbessern, sondern auch das Unfallrisiko senken. „Unsicher ist sicher“ lautet das Motto, mit dem immer mehr Verkehrsexperten für eine neue Philosophie auf den Straßen werben. Denn Schilder und Ampeln erzeugen eine gefährliche Scheinsicherheit. Bei Grün fühlt man sich im Recht und fährt munter drauf los, und bei getrennten Spuren nimmt die gegenseitige Rücksichtnahme ab, weil jeder nur seinen eigenen Bereich im Blick hat und sich dadurch allzu sicher fühlt. Durch eine einheitliche Straße ohne getrennte Fahrbereiche sind alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt. Das Fehlen von Vorschriften zwingt sozusagen zur Achtsamkeit und Rücksicht.

Im Transformationsprozess gehen wir von der Getrenntheit wieder in die Einheit. Jeder Mensch wird im Laufe dieses Prozesses erkennen, dass wir alle eins und nicht voneinander isoliert sind. Verständigung durch Blicke und Handzeichen im Straßenverkehr sind der erste achtsame Schritt in eine neue Verständigung und Kommunikation der Menschen wenn sie sich – egal auf welche Fortbewegungsweise - begegnen.

Die Idee zu dieser neuen Art von Straßenverkehr-Gestaltung hatte der niederländische Verkehrsplaner Hans Mondermann. Das Projekt nennt sich „Shared space“ und wird von der EU in sechs weiteren Kommunen in Holland, Belgien, England und Dänemark erprobt. Im niederländischen Drachten hat es bereits Erfolg eingebracht. In der 45.000-Einwohner-Stadt sind von 18 Ampelkreuzungen nur 2 geblieben, die Hälfte des Schilderwaldes ist verschrottet, und – was das beste ist – trotz weniger Schilder und Ampeln ist die Zahl der Unfälle stark zurückgegangen! In Bohmte plant man bereits unabhängig von „Shared space“ seit Jahren ein solches Projekt. Langfristig will der Bürgermeister die gesamte Hauptverkehrsstraße nach dem neuen Schema umbauen. Doch schon von dem Teilstück erhofft er sich ein Umdenken im Straßenverkehr. Gut gemacht, Bohmte!

(SK, Quelle: WK 25.11.06, erschienen in LICHTSPRACHE Nr. 49, Jan./Febr. 2007)

 
 
   
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